Schärfentiefe in der Praxis

Was genau ist eigentlich die Schärfentiefe? Es ist nicht einfach zu erklären, ich versuche es mal aus Sicht der Fotopraxis ohne zu sehr in die Theorie abzudriften:

Die Schärfentiefe (auch Tiefenschärfe genannt) ist der räumliche Bereich den die Kamera/Objektivkombination scharf abbildet. Zur Veranschaulichung: Man fokussiert ein Objektiv auf eine Entfernung von 5 Meter. Je nach Brennweite und Blende geht die Tiefenschärfe dann zum Beispiel von 4,90 Meter bis 5,70 Meter. Alles innerhalb dieser 80 Zentimeter wird scharf abgebildet, die Objekte davor und dahinter werden unscharf abgebildet.
Die Schärfentiefe ist von mehreren Faktoren abhängig, wie Blende, Brennweite, Nahpunkt, Fernpunkt, Sensorgröße und so weiter. Das lässt sich sogar ausrechnen, wer sich die Mühe machen möchte, schaut bitte bei Wikipedia nach.

Grundsätzlich gilt, je weitwinkeliger ein Objektiv, desto größer die Schärfentiefe, je länger die Brennweite wird, desto geringer fällt die Schärfentiefe aus. Dazu kommt noch der Einfluss der Blende, je weiter die Blende geöffnet ist, desto geringer ist die Schärfentiefe, je weiter eine Blende geschlossen ist desto größer die Schärfentiefe.
Um die Verwirrung komplett zu machen: Je größer ein Sensor in der Kamera, desto geringer ist die Tiefenschärfe und umgekehrt. Daher lassen sich mit Pocketkameras die meist einen sehr kleinen Chip verbaut haben , auch nur schwierig Bilder mit freigestellten Objekten vor unscharfem Hintergrund erzeugen.

Optimal für ausdrucksstarke Bilder sind lichtstarke Teleobjektive, wie mit z.B. ein 2,8/200mm bei offener Blende, so dass die Motive sich sehr schön vom Hintergrund trennen. Ideal für Portraits und alle Motive die zur Geltung kommen sollen ohne dass der Hintergrund stört. Das Gegenteil möchte man bei Landschaftsübersichten erreichen, hier setzt man in der Regel ein Weitwinkelobjektiv ein und schließt die Blende um einen möglichst großen Bereich scharf abzubilden.

Genug geschrieben, schaut Euch einfach mal die Beispielbilder an, ich denke das sagt mehr aus als der ganze Text hier.

Nachfolgend ein paar Beispielbilder zur Erklärung:

Beispiel 1
Alle Fotos wurden mit der Olympus EM-1 und dem lichtstarkem 1,8/45mm aufgenommen. Die Kamera hat einen kleinen MicroFourThird (MFT) Sensor. In der Serie sieht man sehr schön wie das Gänseblümchen sich bei offener Blende (F 2,0) vom Hintergrund abhebt und je weiter die Blende geschlossen wird (F 22), sich die Schärfentiefe erweitert und der Hintergrund im Bild stört.


Beispiel 2
Hier noch weitere Beispiele wie eine offene Blende Objekte vom Hintergrund trennen kann und somit das Auge auf das Hauptmotiv lenkt.


Beispiel 3
Je nach Priorität des Motivs kann der richtig gelegte Fokus die Aussage eines Bildes stark beeinflussen. Hier liegt der Fokus einmal auf den Gerstenähren im Vordergrund und einmal auf der Fahrspur im Hintergrund. Je nachdem welche Aussage man mit dem Bild erzielen möchte, sind beide Motive nutzbar.